zurück: Feuerwehrwesen weiter: Kommandant Robert Hain Inhalt

Kommandant Josef Kaupp

02. 05. 1897 - 13. 12. 1905

Josef Kaupp
Sein Stellvertreter:
Robert HAIN02. 05. 1897 - 07. 01. 1906

Der Initiative des Fabriksbesitzers Hermann Walli ist es zu verdanken, dass in unserem Ort der Verein einer freiwilligen Feuerwehr entstand. Das erste Kommando unter Hauptmann Josef Kaupp setzt sich daher aus jenen Männern zusammen, denen die Gründung dieser Institution ein besonderes Anliegen ist.
Zu den unterstützenden Mitgliedern zählt auch Henri Nestlé, der damals bereits vierzehn Jahre lang sein Unternehmen in unserem Ort führt und leitet. Die Originale des Gründungsprotokolls und der konstituierenden Sitzung dokumentieren eindrucksvoll dieses Ereignis:

1. Protokoll
Aufgenommen in der Versammlung am 21. März 1897 zur Gründung einer freiwilligen Feuerwehr mit ihrem Sitze in Grimmenstein. Die Versammlung wird von Herrn Walli eröffnet und zur Wahl eines Vorsitzenden und Schriftführers geschritten.

Gewählt wurden:
Hermann Walli als Vorsitzender
Robert Hain als Schriftführer
Nach der Begrüßung der Anwesenden und Besprechung über den Zweck der Feuerwehr, wird zur Beratung der Statuten geschrittten. Dieselben werden in beiliegender Form einstimmig genehmigt.

Als Proponenten zur Durchführung der Genehmigung der Statuten seitens der Gemeinde und der hohen niederösterreichischen Statthalterei wurden gewählt:
Hermann Walli, Fabriksbesitzer
Robert Hain, Werkführer
Johann Schreiner, Schmiedmeister
Johann Heißenberger, Bürgermeister
Mathias Schwarz, Wirtschaftsbesitzer
Josef Kaupp, Fleischhauer

Zum Beitritt haben sich laut beiliegender Liste 48 Mitglieder, und zwar 31 als ausübende und 18 als unterstützende Mitglieder, angemeldet.
Protokoll samt Beilagen wurden dem Herrn Bürgermeister Johann Heißenberger zur weiteren Amtshandlung übergeben.
Sohin geschlossen und gefertigt.
Hermann Walli, Johann Heißenberger, Josef Kaupp, Robert Hain, Johann Schreiner.
2. Protokoll
Aufgenommen bei der am 2. Mai 1897 in Kaupp's Gasthofe in Grimmenstein stattgehabten konstituierten Versammlung der freiwilligen Feuerwehr Grimmenstein. Im Namen der Proponenten begrüßt Herr Hermann Walli und konstatiert die Anwesenheit von angemeldeten 31 ausübenden Mitgliedern und der angemeldeten 6 unterstützenden Mitgliedern. Er bringt gleichzeitig zur Kenntnis, dass sich bis heute 33 ausübende und 30 unterstützende Mitglieder angemeldet haben. Es wird nunmehr zur Tagesordnung geschritten.


Punkt I

Bekanntgabe des hohen Statthalterei Erlasses über die erlaubte Bildung einer freiwilligen Feuerwehr Grimmenstein. Der Vorsitzende bringt den Erlass der hohen kk nö Statthalterei vom 20. April 1887, Z.30 802, zur Kenntnis der Versammlung, worauf die Gründung der freiwilligen Feuerwehr in Grimmenstein nicht untersagt wird.

K.k.n.ö. Statthalterei
Z.: 30802
Die k.k.n.ö. Statthalterei findet der am 2. April 1897 h.ä. eingelangten Eingabe angezeigte Bildung des Vereins "Freiwillige Feuerwehr" in Grimmenstein nicht zu untersagen. Insoferne für die Ausübung einzelner Zweige der statutengemäßen Vereinstätigkeit in besonderen Gesetzen und Verordnungen die vorherige Erfüllung gewisser Bedingungen bzw. die Erwirkung der besonderen behördlichen Bewilligung vorgeschrieben ist, bleibt die Vereinsleitung verpflichtet, von Fall zu Fall vorher diese Bedingungen zu erfüllen, bzw. diese Bewilligung zu erwirken.
Der öffentliche Gebrauch von Vereinsabzeichen oder Vereinsfahnen ist von einer besonderen Bewilligung abhängig, welche für den Wiener-Polizei-Rayon aber von der polit. Behörde I. Instanz /:Bezirkshauptmannschaft der Stadtrat:// erteilt wird.
Binnen drei Tage nach Bestellung des Vereinsvorstandes hat derselbe seine Mitglieder gemäß § 12 des Gesetzes vom 15. November 1867, K.G.Bl. Nr. 134, der daselbst bezeichneten Behörde anzuzeigen.
Derselben Behörde sind auch im Sinne des § 13, des erwähnten Gesetzes die etwa an die Vereinsmitglieder zur Verteilung gelangenden Rechenschaft- und Geschäftsberichte oder anderwertige derartige Nachweisungen in drei Exemplaren vorzulegen.
Überdies wird der Vereinsvorstand eingeladen, nach Ablauf des Vereinsverwaltungsjahres eine Tabelle nach den mitfolgenden Formularen für Zwecke der Tätigkeit der genannten Behörde einzusenden. Ein Statutenexemplar folgt in der Anlage mit dem Beifügen zurück, dass die Bescheinigung des Vereinsvorstandes erst über Einschreiten der Vereinsleitung unter der Vorlage eines korrekturfreien mit einem 1 Gulden Stempel für die ersten, und mit einem 50 KR. Stempel für jeden weiteren Bogen versehenen Statutenexemplares und des Sitzungsprotokolles der konstituierenden Vereinsversammlung erfolgen kann.
Wien, am 20. April 1897

An die Proponenten des Vereins: "Freiwillige Feuerwehr" in Grimmenstein, /: zu handen des Herrn Johann Heißenberger :// in Grimmenstein.


Punkt II

Wahl des Hauptmannes, dessen Stellvertreters und der Mitglieder des Feuerwehrausschusses. Es wird beschlossen die Wahlen in Aklamation zu vorzunehmen.
Als Hauptmann erscheint gewählt Johann Kaupp, Fleischhauer, Grimmenstein
als Hauptmannstellvertreter Herr Robert Hain, Werkführer, Thomasberg
als Steigerzugführer Hermann Puchegger, Müller, Grimmenstein
als dessen Stellvertreter Josef Abel, Werkführer, Warth
als Spritzenzugführer Johann Schreiner, Schmiedmeister, Thomasberg
als dessen Stellvertreter Johann Doppler, Zimmermann, Thomasberg
Als weitere drei Mitglieder in den Feuerwehrausschuss Hermann Walli, Fabrikant, Thomasberg, Friedrich Marbot, Werkführer, Grimmenstein, Karl Gruber, Kaufmann, Grimmenstein
Als Zugsführer der Schutzmannschaft Herr Johann Heißenberger, Bürgermeister in Grimmenstein


Punkt III

Anträge
Es wird beantragt und beschlossen dem Bezirksfeuerwehrverband Aspang, zu dem nö Landesfeuerwehrverbande, sowie zu der nö Unterstützungskasse für verünglückte Feuerwehrmänner in Wien beizutreten. Beschlossen wird wird vom nö Landesfeuerwehrverbande herausgegebene Dienstverordnung anzunehmen.
Weiters wird beantragt und beschlossen den Jahresbeitrag für unterstützende Mitglieder pro Jahr auf 2 fl festzusetzen.
Nachdem kein weiterer Antrag vorliegt wird die Sitzung geschlossen und gefertigt.
Josef Kaupp
Johann Heißenberger
Robert Hain

Grimmenstein am 2. Mai 1897

In den ersten Jahren des Bestehens wechseln jedpch immer wieder Feuerwehrkameraden in andere Funktionen über, wie die Aufzeichnungen im Protokollbuch und der Stand im Mitgliederverzeichnis berichten. So geschehen im Jahre 1900, wo als neuer Steigerzugsführerstellvertreter Johann Henseli und als Spritzenzugsführerstellvertreter Karl Gruber ihren Dienst antreten.
Karl Scherz übernimmt im Jahr 1903 als Rottenführer die Filiale in Hochegg, sowie die damit verbundenen dienstlichen Angelegenheiten und die Instandhaltung der dort vorhandenen Tragspritze. Die neuen Ausschussmitglieder Franz Schwarz, Hans Zamponi, Johann Haiden und Johann Kaupp unterstützen unseren Vorstand in seiner Tätigkeit.

Ausfahrt zum Brand

1899 findet sich im Protokollbuch nur ein Einsatz, der bereits in der damaligen Zeit großes Engagement von jedem einzelnen Feuerwehrmann verlangt hat, schriftliche Erwähnung. Am 25. März rückt die gesamte Mannschaft zu einem Brand nach Aspang aus. Genauer Brandplatz, Tageszeit, sowie Ausrüstung und Anzahl der Feuerwehrmänner bleiben dabei unerwähnt.

Aus dem Protokollbuch:

"...und wurden für die Fahrt zum Feuer in Aspang am 25. März für Eisenbahnfahrten fl. 1,76 sowie für Fuhrlohn des Martin Ofner fl. 2 und für Feuermelden fl. 1 bewilligt."

Probleme beim Üben

Die festgelegten Übungen für die Schutzmannschaft, die von großer Notwendigkeit sind, werden von vielen Kameraden sehr oft nicht besucht. So beschließt unser Hauptmann, nachdem er alle Kameraden nochmals eindringlich ermahnt hat, dass der Schriftführer zukünftig die aktiven Feuerwehrmänner unserer Wehr für die nächsten Übungen schriftlich zu verständigen hat. Ein unentschuldigtes Fernbleiben von den Übungen würde den Ausschluss aus der Feuerwehr nach sich ziehen.

Ausrüstung und Bekleidung ist wichtig

Die ersten Arbeiten für den Ausschuss unserer Feuerwehr beinhalten zunächst die Anschaffung und den Ankauf von Ausrüstungsgegenständen: Kappen und Blusen für die Schutzmannschaft, 6 Steigerausrüstungen und eine zweistrahlige Hydrophor-Spritze mit Kugelventilen, sowie Saug- und Hanfschläuche, Hörner und eine Petroleumfackel. Die Firma Czermack in Teplitz übernimmt die Auslieferung der bestellten Gegenstände. Ein Spritzenwagen und ein zweirädriger Schlauchwagen ergänzen die vorläufige Grundausstattung unserer Wehr.

Die großen finanziellen Belastungen stellen aber unsere Wehr vor das Problem keine Bargeldmittel für de neu eintretenden Mitglieder zur Verfügung zu haben. So wird für die Anschaffung von Feuerwehrblusen eine eigene Zahlungsvariante gewählt:

Aus dem Protokollbuch:

"Die Feuerwehr möge den neu eintretenden Mitgliedern die Blusen herstellen gegen eine jährliche Anzahlung von 2 Kronen, welche jedes Mitglied zu leisten hat. Nach fünfjährigem Einzahlen geht die Bluse auf Eigentum des betreffenden Mitglieds über. Im Falle ein Mitglied, welches jährlich seine 2 Kronen geleistet hat, nach 4 Jahren von der Feuerwehr austreten muß, so kann es, wenn die noch fehlenden 2 Kronen bezahlt sind, als sein Eigentum betrachten."

Auch die bereits notwendigen Uniformmäntel können erst durch die großzügige Spende des Sanatoriums in Hochegg realisiert werden. Den Auftrag hiezu erhält Herr Schneidermeister Motsch aus Scheiblingkirchen. Da ein eigenes Spritzenhaus noch fehlt, wird an die Firma Henri Nestlé mit der Bitte herangegangen, auf dem Dampfkessel der Fabrik eine Nebelhorn anbringen zu dürfen.

Das erste Spritzenhaus entsteht

Von der Gemeinde erhält die Feuerwehr eine Subvention zum Bau eines Spritzenhauses. Da man aber dazu nicht in der Lage ist, wird die Gemeinde ersucht, den Bau selbst auszuführen. Die Feuerwehr erklärt sich jedoch bereit, eventuell ein Grundstück und nach Maßgabe der Vermögenslage einen Barbetrag zur Verfügung zu stellen.

Im Frühjahr 1898 wird der Bau des Spritzenhauses in Angriff genommen. Die Gemeinde Grimmenstein erklärt sich bereit die Kosten dafür gänzlich zu übernehmen. Unsere Feuerwehr hat hiezu nur das Grundstück bereit zu stellen. Als geeignetster Platz wird das Dreieck zwischen der "Aspanger-Straße" und der "Edlitzer-Straße" ausgewählt. Nach der Fertigstellung soll das Spritzenhaus als sichtbares Zeichen auf der Außenseite eine Aufschrift erhalten. Da aber eine gemalene Schrift oft zu erneuern wäre, wird in Erwägung gezogen dafür Holz- oder Metallbuchstaben zu verwenden.

Vereinsleben

Die Arbeit unserer Feuerwehr ist von Beginn an mit vielen finanziellen Belastungen verbunden. So wird bereits im September 1897 die Gründung einer Mannschaftskasse beschlossen, in die jeder Feuerwehrmann bis zum 15. des Monats einen geringen Beitrag zu leisten hat. Späteres Einzahlen wird mit einer Strafe belegt. Als Beweis dafür bekommt jeder Feuerwehrmann ein Kontrollbuch, in dem der Kassier den eingezahlten Betrag zu bestätigen hat. Die vorhandenen Einnahmen werden nutzbringend in der Raiffeisenkasse Thomasberg angelegt. Nachzulesen ist dies im ersten Sitzungs- und Protokollbuch der freiwilligen Feuerwehr Grimmstein.

Ebenso niedergeschrieben findet sich folgendes. Durch das Bestehen der Filiale in Hochegg fordern auch die Bauern der Rotte Eben die Gründung einer Feuerwehrfiliale in ihrem Bereich. Erste Gespräche darüber bringen jedoch keine Einigung darüber:

Aus dem Protokollbuch:

"...da sich die Beteiligten zu wenig der Feuerwehr annehmen und auch keine Unterstützung leisten wollen. Es wäre ihnen jedoch angenehm eine Dreifuß-Spritze zu besitzen. So wurde beschlossen die Sache ruhig zu lassen, bis sie selbst gesonnen sind der Feuerwehr beizutreten und ihnen dann einen bestimmten Betrag beizusteuern."

Durchgeführt wird aber die Gründung einer Hilfsstation vom Roten Kreuz. Herr Dr. Schmetterling übernimmt die Stelle des Obmannes und erklärt dazu, dass unsere Feuerwehr einen Sanitätswagen sowie die hiezu notwendigen Verbandsstoffe erhalten wird. Diese Hilfsstation soll den Namen Grimmenstein-Edlitz tragen.

Gesellschaftliches Tun

Um finanzielle Einnahmequellen zu erschließen, wird im Februar 1898 der erste Feuerwehrball in der Geschichte unserer Wehr abgehalten. Er findet im "Kaupp'schen" Gasthofe statt. Ein "Preiskegelschieben" soll ebenfalls die Vereinskasse etwas aufbessern.

Aber auch traurige Anlässe prägen das Feuerwehrleben dieser Zeit. So wird dem verstorbenen Gründer und Mitglied unserer Feuerwehr Herrn Hermann Walli in der Vollversammlung vom 8. März 1902 ein ehrenvoller und dankender Nachruf gehalten und seine Verdienste um unsere Feuerwehr nochmals besonders gewürdigt.


zurück: Feuerwehrwesen weiter: Kommandant Robert Hain Inhalt